Jahresbericht 2012
Liebe Birmafreunde,
Das Jahr 2012 neigt sich langsam seinem Ende zu und wir möchten deshalb die Gelegenheit wahrnehmen und Ihnen berichten, was sich in diesem Jahr in Birma und speziell bei unserem Projekt ereignet hat.
Allgemeine Lage in Birma
Wie Sie aus den Medien entnehmen konnten, hat sich in den letzten Monaten in Birma doch einiges verändert. Durch die Lockerung bzw. Aussetzung der Embargos durch die USA und die EU geht es, vor allem, was den Tourismus anbelangt, steil nach oben. Ob das nun als durchweg positiv zu bewerten ist, sei dahingestellt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Ursprünglichkeit des Landes und seiner Bewohner erhalten bleibt. Es wäre wirklich sehr bedauerlich, wenn hier Verhältnisse wie z. B. in Thailand einziehen würden.
Hier einige persönliche Eindrücke eines unserer Sponsoren, der gerade erst von einer Reise nach Birma, wo er auch unser Projekt besucht hat, zurück gekommen ist.
„Man sieht überall Posters, Fotos und Bücher von Aung San Suu Kyi und in vielen Geschäften, Restaurants und Busstationen sieht man das Logo bzw. die Fahnen der NDL (National Democratic League), der Partei der Nobelpreisträgerin, die von der Bevölkerung fast wie eine Heilige verehrt wird. Auch der Besuch des US-Präsidenten Barack Obama und seine Rede an der Universität Yangon haben bei den Menschen in Birma Hoffnungen auf eine bessere Zukunft geweckt.
Birma platzt, was den Tourismus anbelangt, im Augenblick fast aus allen Nähten. Die Leute sind völlig überfordert; es ist allerdings im Moment auch Hochsaison. Die Hotelpreise und auch Preise für sonstige Dienstleistungen haben sich in den von Touristen bevorzugten Orten in kurzer Zeit zum Teil mehr als verdoppelt und stehen in keinem Verhältnis mehr zu dem was geboten wird. Es gab bereits Touristen, die auf Grund der gestiegenen Preise wegen Geldmangels ihre Reise abbrechen mussten. Im Moment ist es nicht ratsam, ohne Hotelbuchung nach Birma zu reisen, da selbst einfache „guesthouses“ über Wochen ausgebucht sind. Die Suche einer freien Unterkunft erfordert großen Zeitaufwand. Es wurde berichtet, dass deutsche Reiseveranstalter zum Teil sogar im Moment von Reisen nach Birma abraten. Die Situation wird sich aber sicher wieder normalisieren.
Das oben Gesagte bezieht sich hauptsächlich auf die Touristen-Hochburgen Yangon, Mandalay, Inle und Bagan. Sobald Sie den touristischen Trampelpfad verlassen, bekommen Sie von all dem nichts mit. Sie sehen dann wochenlang unter Umständen keinen einzigen Touristen.
Es gibt in Birma nach wie vor noch keine Möglichkeit, mit einer EC- oder Kreditkarte direkt an Bargeld zu kommen. Einige Hotels nehmen zwar Kreditkartenzahlung an, aber es ist immer noch nicht der Standard.
Überall wird gebaut. Leider werden aber auch die zwar verwahrlosten, aber schönen alten Häuser zwischen Sule Pagode und Strand Hotel teilweise abgerissen. Angeblich sollen sich Investoren speziell aus Indien, China und USA auf das Land stürzen. Grundstücke und Strandabschnitte werden über burmesische „Papiertiger“ an Ausländer verkauft.
In den Städten herrscht eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Der Import von Autos ist erlaubt und ihre Zahl nimmt rasant zu. Leider fehlt es dafür aber noch an der erforderlichen Infrastruktur. Die Jugend fährt verstärkt Moped und damit häufen sich auch die Unfälle.
Es sind dies natürlich subjektiv zu betrachtende Eindrücke. Jeder der im Moment nach Birma reist, wird seine eigenen Eindrücke gewinnen und vielleicht auch zu ganz anderen Schlussfolgerungen gelangen. Das Land ist nach wie vor wunderschön und hat landschaftlich und kulturell sehr viel zu bieten. Es ist auch wegen seiner liebenswerten Menschen sicher eine Reise wert.“
Unser Projekt in Yenangyaung
Auf unserer Homepage taucht immer wieder der Name Eric Trutwein auf, ohne dass bisher jedoch näher auf seine Person eingegangen wurde. Hier wollen wir ihnen nun die Lebensgeschichte dieses großartigen Mannes aufzeigen. Er ist der Gründer des Projekts, dem er den Rest seines Lebens widmet.
Eric Trutwein
Die Familie gehörte zu den sogenannten Anglo-Burmesen. Sein Urgroßvater kam aus USA und heiratete eine Burmesin. Seiner Herkunft verdankt er auch seinen für einen Burmesen ungewöhnlichen Namen.

Es war die Zeit, als Burma noch eine Kolonie des Britischen Empire war. Auf den Feldern außerhalb seiner Heimatstadt Yenangyaung pumpten die Ausländer Öl aus dem sandigen Boden.
Erzogen wurde Eric in einer katholischen Schule in Maymyo, dem heutigen Pyin Oo Lwin. Dort unterrichtete ein deutscher Missionar namens Schubert, der im Ärmel seiner Robe stets einen Rohrstock verwahrte, mit dem er auch vortrefflich umzugehen wusste. Eric nahm trotzdem den christlichen Glauben an.
Mit der Machtübernahme der Militärs unter General Ne Win im Jahr 1962 begann für Erics Familie eine schwierige Zeit. Die Fabrik des Vaters wurde verstaatlicht und vom Familienvermögen blieb nur etwas Schmuck der Mutter übrig. Der Vater besorgte Lastwagen und transportierte damit Teakholz aus dem Dschungel. Der junge Eric musste mit anpacken. Es war eine schwere und gefährliche Arbeit. Die riesigen Baumstämme wurden von Elefanten aus dem Dschungel zum Verladeplatz gezogen. Im Wald lebten aufständische Kommunisten.
Drei lange Jahre verbrachte Eric in dieser grünen Hölle und verfiel dabei dem Opium. Seine Sucht überwand er, indem er sich von seiner Mutter neun Tage lang in einen Raum einsperren ließ. Zu dieser Zeit war sein älterer Bruder schon mit der Tochter des Holzfabrikanten geflohen. Australien gewährte damals vielen Anglo-Burmesen Asyl, Eric und der Rest seiner Familie erhielten aber keine Einreisegenehmigung.
Eric ging dann in die damalige Hauptstadt Rangun und versuchte sich dort als Händler eine Existenz aufzubauen, was allerdings scheiterte. Die Lage verbesserte sich für ihn, nachdem sein Vater einen Großauftrag von einer Ölgesellschaft bekam. Eric half ihm dabei auf einem Ölfeld sechs große Tanks zu bauen. Danach wurde Eric, auf Grund seiner guten Englischkenntnisse und seiner handwerklichen Begabung, Mechaniker an der Britischen Botschaft in Rangun. Zum ersten Mal hatte er ein regelmäßiges Einkommen, allerdings nur so lange, bis die Botschaft 1988 wegen der Niederschlagung der burmesischen Protestbewegung geschlossen wurde.
Danach arbeitete er für verschiedene ausländische Ölfirmen mehrere Jahre im Karen-Staat im Osten Burmas. Dort kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen Rebellen und dem Militär.
Im Jahr 1995 heiratete Eric die geschiedene Tochter eines Freundes. Ihr früherer Mann, ein Seefahrer, war nicht lange nach der Scheidung an AIDS gestorben. Das erfuhren sie aber erst später. Seine Ehefrau hatte Eric leider mit dem Virus angesteckt. Sie starb 2001. Heute denkt Eric, dass auch ihrem Tod ein höherer Plan zugrunde lag. Er sollte seiner Bestimmung folgen. Er ging zurück in seine Heimatstadt Yenangyaung, um dort den Tod zu erwarten.
Er war untröstlich und fand Beistand durch den Rest seiner Familie, die noch dort lebte.
Als er dort so viele HIV-positive junge Männer, Frauen und sogar Kinder sehen musste, begann er, mit Unterstützung von Spendern, zu versuchen, die Menschen dieser Region über AIDS aufzuklären. Er organisierte Pwe’s (Theaterstücke) und reiste damit von Dorf zu Dorf. Dies war notwendig, da die meisten Menschen dort Analphabeten sind.
Als er dabei mit so viel Leid und Schmerzen konfrontiert wurde, betete er, dass ihm fünf weitere Lebensjahre geschenkt werden (allgemein wird behauptet, dass der Partner eines AIDS-Patienten bald nach diesem sterben wird). Es gab so viel, was er noch tun wollte, um den Menschen in seiner Umgebung zu helfen.
Er begann, die Großeltern zu unterstützen, die mit ihren Enkelkindern allein zurück blieben, nachdem deren Eltern an AIDS gestorben waren. Er tat dies mit seinen eigenen finanziellen Mitteln, gelegentlich auch mit der Unterstützung von WHO und UNICEF. Aber diese großen Organisationen waren eher an größeren und offiziellen Projekten interessiert.
Ebenfalls mit eigenen Mitteln baute er im Jahr 2005 auf einer Klippe hoch über dem Ayeyarwaddy-Fluss ein Gästehaus. Inzwischen sind daraus fünf Häuser mit insgesamt 20 Betten geworden. Die Einnahmen, die er daraus erzielt, kommen ebenfalls den Kindern zugute.
Im Jahr 2006 traf Eric eine alte Schulfreundin wieder, die seit langer Zeit in Deutschland lebt. Diese hatte ihn bereits seit 2002 unterstützt. 2008 wurde, zusammen mit anderen Freunden, in Deutschland der „Förderverein Kinderhilfe Birma e. V.“ gegründet. Mittlerweile hat Eric 87 Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren und deren Betreuerinnen und Betreuer unter seiner Obhut und er widmet sein ganzes Leben dieser enormen Aufgabe. Seit 2008 wird er dabei von unserem Förderverein unterstützt.
Reparatur bzw. Neubau von Hütten
Hier konnten wir, dank Ihrer Hilfe, doch einiges erreichen und damit die Lebensqualität der Kinder und deren Betreuerinnen und Betreuer zum Teil spürbar verbessern. Da, wie bereits im Frühjahr berichtet wurde, eine Genehmigung für ein Waisenhaus nicht zu bekommen war, werden die Kinder weiterhin in ihren bisherigen Quartieren wohnen bleiben. Diese Hütten sind teilweise in einem desolaten Zustand und müssen dringend repariert, bzw. neu gebaut werden.







